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CONRAD BINKELE


C. Binkele wurde am 3. Dezember 1867 in Mansfield/Ohio in den USA geboren. Er war US-Amerikaner mit deutscher Herkunft. 1891 heiratete er seine vier Jahre jüngere Frau Hanna, geborene Jahrous. Binkele war schon in jungen Jahren ein tiefgläubiger Mensch und hatte einen hohen christlichen Charakter. Er beherrschte sieben Fremdsprachen, war Lutheraner und stand auch als Bischof in der Apostolischen Lutherischen Kirche in Amerika vor.


1890 kam er mit der Wachtturmpublikation "Der Plan der Zeitalter" in Berührung und war nach dessen Lesen überzeugt die gegenwärtige Wahrheit gefunden zu haben. Er kündigte daraufhin sein Amt und trat aus der Lutherischen Kirche aus.

1906 wurde er Prediger der International Bible Students Association (IBSA) und war ab 1909 als Übersetzer im Bibelhaus (Bethel) der Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania tätig.

1916 wurde Binkele gemeinsam mit seiner Frau nach Zürich entsandt, um das Werk in Deutschland, Schweiz und Holland zu beaufsichtigen. Als Leiter des Zentraleuropäischen Büros der Wachtturm-Gesellschaft in Zürich, war er für die aus dem Englischen übersetzte Zeitschrift Der Wachtturm in Deutsch und Französisch verantwortlich. In seiner Funktion war er auch für alle übergeordneten organisatorischen und wirtschaftlichen Entscheidungen verantwortlich (siehe Briefe vom 10. und 12. Juni 1916 von Charles Taze Russell an die Geschwister).

Bis 1925 führte er die die WTG-Geschäfte in der Schweiz.

Als sich Binkele bewusst wurde, dass mit Rutherford ein Diktator die Zügel der Wachtturm-Gesellschaft an sich gerissen hatte und auch wegen mehreren theologischen Differenzen mit Rutherford, trat er von seinem Dienst zurück, trennte sich von der WT-Organisation und verlegte seinen Wohnsitz nach Mulhouse (Mülhausen) im Elsass, heute zu Frankreich gehörend.

Die Geschwister Emil und Otto Sadlack erinnern sich an diese bewegte Zeit in ihrem 1928 erschienenen Buch: "Die Verwüstungen des Heiligtums". Darin kommen sie auch auf die schäbige Behandlung zu sprechen, die Rutherford dem einstigen Leiter des Zentraleuropäischen Büros der WT-Gesellschaft angedeihen ließ.

Über diesen Vorfall bemerken sie: "Wir erinnern uns eines Gotteskindes unserer eigenen Tage, dem, als es zu dem abwärts führenden Weg der Kirche nicht mehr Ja sagen konnte, dies Wort öffentlich nachgeworfen wurde: 'Ich lenke die Aufmerksamkeit der Geschwister jetzt darauf, und mögen sie nun ... [hier folgt der Name von Conrad C. Binkele, Anm. der Red.] als einen der Verbündeten der Ränke des Feindes [!] betrachten und sich dementsprechend verhalten", (WT. 1926, Seite 352).

"Und sich dementsprechend verhalten" - also noch eine Aufforderung an Gottes Volk, diesen Protestanten als einen Gesetzlosen (früher nannte man solche Leute Ketzer) zu hassen. Der Befehl, den betreffenden Wahrheitszeugen als einen Verbündeten des Feindes zu betrachten, erinnert lebhaft an ähnliche Erfahrungen des Wahrheitszeugen Huß." - Zitatende

Freie Bibelforscher-Vereinigung

1928 gründete Conrad C. Binkele zusammen mit anderen Geschwistern die "Freie Bibelforscher-Vereinigung" (FBV) im Elsass. Von 1931 bis 1934 veröffentlichte er die Zeitschrift "Der Pilgrim". Diese sollte in erster Linie ein christliches Erbauungsblatt sein.

In der ersten Ausgabe hieß es dazu: "Keineswegs will daher der Inhalt für etwas anderes gelten, als ernstliche Betrachtungen der Heiligen Schrift in dem Sinne und Geiste, wie der Schreiber ehedem auf seinen Pilgerreisen durch mündliche Vorträge den Versammlungen mit dem Worte zu dienen bestrebt war. Nicht möchte er durch diese Arbeit Anlass geben zu Streitfragen, oder solche aufgreifen und behandeln, sondern dem zu dieser Zeit schwer bedrängten Gottesvolk durch die Wahrheit, die ihr eigener Ausleger ist, zu nützlichem, erwünschten Beistand sein, nach der Kraft Gottes, und nach dem Masse der Gnade und Gabe, die Er dazu schenken wird."

Zeugen Jehovas versus Freie Bibelforscher

Binkele vermied Zeitlebens die offene Polemik mit den Zeugen Jehovas. Dennoch wird auch er an manchen Stellen durchaus deutlich. Inzwischen hatte Rutherford seine "Bibelforscher" dazu getrimmt, sich als permanente Literaturverkäufer zu betätigen. Dies sollte im weiteren Sinne auch ihr Hauptwerk sein.

Demgegenüber stand die Lehre der, christlichen Tugend und Charakterentwicklung, weil die Freien Bibelforscher erkannten, wie wichtig es ist, wirkliche Fußstapfennachfolger Jesu zu sein. Ohne die Zeugen Jehovas namentlich zu nennen, jedoch sehr wohl auf sie gemünzt, nahm er in der Ausgabe Nr. 5/1933 seiner Zeitschrift dazu einmal Stellung.

Er wählte dazu einen Vergleich. Es gibt zwei Arten von Licht, kaltes und warmes. Er rekapitulierte, dass kalte Licht hätte durchaus einen gewissen "Vorteil", indem keine unnötige Energie in Form von Wärmestrahlung "vergeudet" würde, sondern eben nur "Licht" geliefert wird. Damit hatte er zugleich den Zeugen Jehovas einen Spiegel vorgehalten.

Binkele schrieb: "Heute reiben sich viele auf, um eine Botschaft mit allen möglichen Mitteln unter die Menschen zu tragen, die die Menschen in dieser Form schon oft gehört haben. Wir müssen feststellen, dass es kaltes Licht ist in sehr vielen Fällen, das so ausgestrahlt wird. Man geht hinaus, opfert sich auf um zu leuchten und beachtet dabei nicht, dass man sich in diesem Licht auch wärmen muss, sich - und andere.

Denn auch die Wärme der Liebe ist ein elementares Bedürfnis für unseren geistlichen Menschen. Aber man will sich nicht mehr wärmen, weil man gefunden hat, dass damit viel Zeit verloren geht, viel Energie, die man doch besser anwendet, um zu leuchten. Wir bedauern die falsche Einstellung eines Teiles des Volkes Gottes. Denn wir wissen, dass unser Tun, wenn es nicht in Liebe geschieht und Liebe offenbart, nichts nütze ist: 'Denn wenn ich mit den Sprachen der Menschen und der Engel rede, aber nicht Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel.' -1. Kor 13:1." - Zitatende

Zeit des Endes

Wie stand nun Binkele zu der Grundauffassung der Zeugen Jehovas, dem Endzeitglauben? Auch dazu gibt es einige durchaus eindeutige Aussagen.

Im Oktober 1931 stand im "Pilgrim": "Als ein noch junger Christ - es war vor 40 Jahren - traf ich einmal in einem Städtchen im Staate Illinois mit einem hochgeachteten, sehr alten, dienenden Bruder zusammen, der uns Jüngere mit Vorliebe durch seine Auslegungen aus den Propheten und der Offenbarung zu belehren suchte. Er begann nun auch mir auf offener Straße zu predigen und prophezeite mit großer Gewissheit, dass der Tag des Herrn vorhanden sei, und dass wir, die Jüngern, desselben erleben würden; Er selbst aber und seine Altersgenossen würden sterben müssen, ehe der große Tag vollends anbreche.

Als Beweis für seine Ausführungen führte er die 'Zeichen' an, welche zu jener Zeit am politischen, sozialen und religiösen 'Himmel' sichtbar waren. Die meisten der älteren Brüder glaubten mit ihm, dass binnen kurzem der völlige Untergang der heutigen Weltordnung geschehen müsse. Immer noch tönen mir die Worte jenes lieben Greises, und diejenigen vieler andern, damals schon betagter Gottesmänner in den Ohren. Wie habe ich gewartet, wie gehofft, geglaubt, und seit jener Zeit in gleicher Weise andern gepredigt und bin darüber nun selbst fast - zum Greise geworden.

Aber ungleich wahrscheinlicher, als zu jener Zeit, traten in meinen Tagen die 'Zeichen' für die Verwirklichung der Hoffnung der Kirche in den Vordergrund. Man glaubte die fast greifbaren Beweise dafür in den Händen zu haben; so zeugten auch wir voll Inbrunst, gleichwie jene von dem, was wir glaubten, und belehrten alle, die uns hören wollten, über die sich jetzt erfüllende Verheißung des glorreichen Königreichs der Gerechtigkeit und des Friedens.

Und wiederum - die Reihen auch unserer Altersgenossen haben sich sehr gelichtet, die jüngere Generation ist wieder zu Vätern und Müttern geworden und wir betagteren haben zu fühlen bekommen, dass wir nicht mehr so recht in unsere Umgebung hineinpassen. Indessen warten wir noch, warten mit ihnen - wenn auch resignierter." - Zitatende

Die Chronologie von 1914 und 1925

Binkele war Zeitzeuge des Russell'schen 1914 und des Rutherford'schen 1925-Datums. Aufschlussreich sind zu diesem Thema seine diesbezüglichen Ausführungen in "Der Pilgrim"-Ausgabe vom Mai 1931. Hier zitiert Binkele zunächst aus einer englischsprachigen Publikation Russells, die zu Anfang des Jahres 1914 stammt.

Die diesbezügliche Passage aus dem Pilgrim Mai 1931 lautet: "Bruder Russell war einer der bedeutendsten Schrifterforscher. Er glaubte aus der Prophetie und Chronologie die Wiederkunft Christi als Tatsache feststellen zu müssen und belehrte uns darüber. Er glaubte an das Eintreffen gewaltiger Ereignisse zu einer gewissen Zeit unseres Lebens. Aber doch erkühnte er sich niemals, solche Erkenntnisse als lebenswichtige Lehrsätze aufzustellen.

Da er ein Meister der logischen Beweisführung war, blieben seine biblischen Darlegungen für uns stets maßgebend, obwohl er uns öfter ermahnte, seine Folgerungen nicht in allem für unbezweifelbar richtig zu halten; wir sollten selber prüfen lernen.

Während er nun selbst auf das gewisseste Überzeugt war, eben auf Grund der Folgerung, dass z. B. in 1914, am 'Ende der Zeiten der Nationen', das Reich Gottes aufgerichtet werde, wollte er diese Lehre doch nicht als ein 'Dogma' aufstellen.

Als Beweis dafür übersetze ich hier einige seiner Worte aus einer längeren Abhandlung, die er im Jahre 1914 bei einer großen Hauptversammlung gesprochen hat (Question Book, Seite 83; § 2): 'Nun, liebe Geschwister, es ist unsere Erwartung gewesen, dass diese Zeiten der Nationen mit dem gegenwärtigen Jahr 1914, zu Ende gehen werden, und dass mit der Vollendung der Zeiten der Nationen sofort, augenblicklich, das Königreich Gottes anfangen wird, sich zu offenbaren. Dass dies nicht richtig sein wird, kann ich noch nicht sagen. Es muss noch erwiesen werden. Vielleicht kann jemand beweisen, dass es nicht richtig ist. Wenn wir zum völligen Ende von 1914 kommen und nichts geschieht in der Folge jenes Zeitpunktes, was die Aufrichtung des Reiches Christi unter der Menschheit anzeigt, dann vielleicht werden wir die Dinge wiedererwägen müssen; bis dahin aber wird es für uns nicht notwendig sein, Überlegung anzustellen. Es steht dem Gegner zu, zu beweisen, dass es nicht so kommen werde.'

Dass er nicht dogmatisch sein wollte, erhärten auch die nachstehenden Worte in Verbindung mit der Tatsache, dass wir uns nicht dem Herrn auf gewisse Daten hin geweiht haben, sondern bis in den Tod (Question Book, Seite 99, § 4, letzte Hälfte): 'Verkaufe alles, was du hast, um diese Perle zu besitzen. Da hast einmal deinen ganzen Willen verkauft und hast nichts dazu zu sagen, ob der Plan Gottes auf Oktober 1914 oder 1940 fällt. Es ist das Seinige.'

Wenn nun das gewaltige Bild des Planes Gottes, das unser Bruder wohl erkannt hatte, den zu kleinen Rahmen - man verzeihe den Verglich - gesprengt hat, weil er gewisse Einzelteile desselben auf einen etwas zu beschränkten Zeitraum berechnet hatte, wodurch Irrtum entstanden war - was verschlägt es letzten Endes? Wir konnten, wenn wir wollten, eine wichtige Lehre daraus ziehen. Wir können es heute noch.

Manche haben bei dem geborstenen, chronologischen Rahmen auch das 'Bild' selbst als unecht angezweifelt und vieles, wenn nicht alles, verworfen. Mich dünkt aber, in keiner bessern und Durchgreifenderen Weise hätte unser Herr 'dies große Volk' zu unserer Zeit auf Herz und Nieren prüfen können, als gerade durch diese Zulassung! Wir waren zu sicher geworden. - Als hätten zwar früher Fortschritt, nicht aber 'wir', in der Zeitrechnung und ihrer Deutung irren können."- Zitatende

Zum 1925er-Datum von Rutherford schrieb er: "Hätte man doch die Konsequenzen richtig gezogen! Aber nein. Elf Jahre später krachte der zweite chronologische 'Rahmen', und die Deutung des Zeitpunktes musste verblassen. So konnten wir nun nicht anders, nachdem wir uns zurückgezogen hatten, als eben 'wiedererwägen'; namentlich da wir nicht nur in unserer Erwartung in dieser Hinsicht getäuscht worden waren, sondern auch andere Dinge und Lehren in unserer vorigen Verbindung unsere Herzen immer mehr beschwerten."

Binkele beschränkte sich auf die vermeintlichen "Zeichen der Zeit" und verwarf jede Zeitberechnung: "Ich für meinen Teil, liebe Geschwister, habe, was Zeitrechnung betrifft, mich nur mehr auf ein strenges beachten der 'Zeichen der Zeit' beschränken lernen müssen, wollte ich zur inneren Ruhe kommen und fortfahren auf das Eine nur zu sehen, was nottut zur Errettung.

Wir dürfen aber gewiss sein, dass wir 'in den Tagen des Menschensohnes' leben. Dafür sprechen alle Zeichen; das Resultat unserer Prüfung der Vergangenheit und Gegenwart; dafür spricht der Geist der Zeit und seine Wirkungen, gemessen an den Worten der Weissagungen Jesu Christi und der Apostel. Die ganze Weltlage beweist es; alle wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, religiösen und politischen Zustände geben Zeugnis dafür.

Der gewaltige Unterschied in allen Verhältnissen, der sich seit 1913 und seit meinen Jugendjahren z. B. in Amerika vollzogen hat - zum Verderblichen vollzogen - ist so augenfällig, dass es für mich wie mit Riesenlettern am Himmel zu lesen stand, als ich voriges Jahr dort drüben war. Im 'Meer der Massen' der Bedrückten und Unzufriedenen wölben sich bedrohlich die Wogen … Wer ein Auge hat, zu sehen, bedarf wahrlich keines chronologischen Datums mehr, um zu wissen, was diese Zeichen sagen. - Nie zuvor in diesem Zeitalter sah man welche dieser Art." - Zitatende.

Unter Nationalherrschaft

Es sei noch aus der Ausgabe Nr. 5/1933 aus dem Pilgrim zitiert, weil diese Passage letztendlich auch eine indirekte Stellungnahme zum damals neuen Hitlerregime enthielt: "Unsere Zeit ist für viele Geweihten sehr gefährlich. Viele, viele glauben Grund zu haben zu Zweifeln, den Glauben über Bord zu werfen. Fragen betreffend der Chronologie, nicht eingetroffene Dinge, die man bestimmt erwartet hat, Fragen über die Gegenwart des Herrn, das Nichtausharren von Geschwistern im Herrn, Enttäuschungen an sich selbst, die Frage: Haben wir die ganze Wahrheit? endlich die menschliche Ungeduld, verschiedene Ansichten über die Aufrichtung des Reiches Gottes auf Erden usw., das sind Dinge, die vielen zu schaffen machen.

Die letzte Frage betr. der Aufrichtung des Reiches Gottes auf Erden wird heute weit herum diskutiert, nicht nur in gläubigen Kreisen. Weitherum findet man den Gedanken, dass der Mensch aus eigener Kraft sich so etwas wie ein Reich Gottes, von dem die Alten träumten, auf Erden herrichten werde. Andere lachen ganz einfach über den Gedanken eines derartigen Zustandes unter Menschen. Wiederum andere finden den christlichen Gedanken der Barmherzigkeit verächtlich und wollen nur der Kraft und der Macht, den menschlich Starken, Lebensrecht gelten lassen. Besonders heute wird das Heldische dieser oder jener Rasse, die von der Natur als besonders bevorzugt und zum Führen geeignet erscheint, hervorgehoben und mit großen Worten glaubhaft und glaubenswürdig zu machen versucht.


Alle diese Kreise und Menschen rechnen indessen nicht mit dem Einen, dem Mittel in der Hand Gottes, durch welches allein Erlösung von allem Bösen für die Menschen kommen wird." - Zitatende

Rückkehr in die USA

Im November 1933 wurde die Vereinigung der Freien Bibelforscher verboten. Die Gestapo durchsuchte die Wohnung und das Büro der Binkeles in Mülhausen, diese konnten aber einer Verhaftung entgehen, weil sie amerikanische Reisepässe hatten. Die Publikationen der Freien Bibelforscher wurden unter dem Hitlerregime suspendiert und deren weitere Veröffentlichung verboten.

Durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten, und nach der Besetzung des Elsass durch die Wehrmacht, wurde die Lage für die Bibelforscher immer schlimmer. 1940 kehrte er schließlich zusammen mit seiner Frau Hanna wieder zurück nach Los Angelos/USA.

Von den Freien Bibelforschern aus der Schweiz herausgegebenen Zeitschrift "Die brennende Lampe" (Ausgabe vom Januar 1943) entstammt der nachfolgende Passus:

"Aus Los Angeles ist uns die telegraphische Nachricht gekommen, dass unser Lieber Bruder Conrad C. Binkele, den die meisten Leser der "Lampe" gekannt und geliebt haben, am 29. Oktober 1942 nach schwerem tapfer erduldeten Krankenlager von dieser Erde abberufen worden sei. Wiewohl er fern von uns weilte, hinterlässt er eine schmerzliche Lücke und das Gefühl der Verwaistheit. Seine letzte Botschaft vom 11. Mai dieses Jahres an eine Schwester gerichtet, kennzeichnet besser als es unsere Worte vermöchten, die Treue, Tapferkeit und Dankbarkeit dieses Gotteskämpfers:

'Ich will Euch Lieben mit keinem Wort zu schildern versuchen, was mein Empfinden und meine inneren Kämpfe gewesen sind, während der verflossenen Monate dieses Jahres (er lag 6 Wochen wegen Lähmungen in beiden Beinen und fortgeschrittener Wassersucht in einem Sanatorium). Nein, es hätte keinen Sinn, es werden Wochen vergehen, ehe Ihr dieses lest, und so sollt Ihr nur wissen, dass ich guten Mutes bin und nur täglich viel Ursache finde, der Treue Gottes zu gedenken und Ihm zu danken für seine Aushilfe.

Es liegt mir nur daran, Euch Lieben und mit Euch den Lieben in unserer ganzen Umgebung eine erfreuliche Nachricht von uns zu geben. Ihr dürft Euch unseretwegen beruhigen. Was Euch sonderlich freuen dürfte, ist die Meldung, welche ich jetzt in Bezug auf unser äußeres Durchkommen machen darf: Ich habe nun endlich meine Alterspension bekommen, und damit hat uns Gott eine besondere Entlastung unserer Herzen geschenkt. Wie erleichtert mein Herz sich nun fühlt, wisst Ihr wohl, und ich kann Gott nicht genug preisen, der die Lieben in der Schweiz uns so lange Jahre hindurch zum Segen gesetzt hat, indem sie durch ihre werktätige Liebe unseren Mangel erstattet haben. Der Herr wird ihnen zeitlich und ewig vergelten.'

Eine repräsentative Persönlichkeit, gebildet und mannigfaltig begabt, verzichtete er auf schöne Möglichkeiten irdischen Fortkommens, um dem Volk Gottes zu dienen. An der Schwelle des Alters und in seiner Gesundheit erschüttert, starb er dann hablos und stellenlos in der Welt."-Ziatende



 

Ecclesia